Die Neuerungen in der Besteuerung Liechtensteiner Firmen

Steuern im Fürstentum Liechtenstein

Überblick über das aktuelle Steuerregime

Liechtenstein ist von jeher ein interessanter und bekannter Standort für Firmen und Stiftungen, um Steuern zu sparen.

Mit dem Gesetz über die Landes- und Gemeindesteuern (Steuergesetz; SteG) vom 23. September 2010 hat das Fürstentum nach über 50 Jahren seine Steuergesetzgebung grundlegend modernisiert.

 

Anpassungen an internationales Steuerrecht

Das Fürstentum Liechtenstein verfügt über ein international wettbewerbsfähiges Steuersystem für Unternehmen, Finanz- und Dienstleistungsunternehmen sowie Holding-Gesellschaften.

In unseren Beratungen stellen wir immer fest, dass viele Mandanten noch gar nicht viel von den Steueränderungen 2011 in Liechtenstein mitbekommen haben. Daher wollen wir nachfolgend nicht nur das geltende Steuerrecht darstellen, sondern auch die relevanten Änderungen aufzeigen.

Dies ist vor allem der Reform des Steuerrechts zum 1. Januar 2011 zu verdanken. Ziel dieser Reform war es, die geltende Steuerrechtsordnung unter Berücksichtigung der internationalen Entwicklungen in der Weise zu modernisieren, dass Liechtenstein auch in Zukunft über ein national wie international attraktives Steuersystem verfügt.

Zugleich galt es die europarechtlichen Vorgaben insbesondere bezüglich der Grundfreiheiten und der Regelungen über das Verbot der staatlichen Beihilfen einzubinden.

Die europarechtkonforme Ausgestaltung des liechtensteiner Steuerrechts erhöht nicht nur die Attraktivität des Standortes Liechtenstein, sondern gibt den Anlegern und Firmengründern mehr Rechtssicherheit.

Die bis 2011 geltenden Bestimmungen über die Sitz- und Holdinggesellschaften waren aus europarechtlicher Sicht oftmals kritisiert worden. Das liechtensteiner Steuerrecht trägt den europäischen Standards und Wünschen der Nachbarstaaten Rechnung, ohne aber an Attraktivität einzubüßen.

Neben dem neuen Steuerrecht sind gut ein Dutzend neuer DBA, die Liechtenstein mit anderen Staaten erstmals oder in neuer Form geschlossen hat.

Übersicht

Körperschaftssteuer

12,5 % Pauschalbesteuerung der Unternehmensgewinne,

Umsatzsteuer

8 % - Normalsatz
2,5 % reduzierter Satz, 3,8 % auf Beherbungsdienstleistungen

Dividenden

Keine Besteuerung von Einkommen aus Dividenden unabhängig von der Anwendung der EU-Mutter-Tochter-Richtlinie
Dividendenausschüttungen an Aktionäre im Ausland werden nicht besteuert (keine Quellensteuer)
Anwendung der EU-Mutter-Tochterrichtlinie (Dividendenzahlungen der Tochter- an die Muttergesellschaft sind steuerfrei)

IP-Box-Privileg

ja, 80% der Einnahmen werden nicht besteuert, der Rest mit 12,5 % Körperschaftssteuer

Gruppen-Besteuerung

ja, Gewinne und Verluste von Gesellschaften einer Firmengruppe werden gegeneinander aufgerechnet

Doppelbesteuerungsabkommen

Mehr als 40, u.a. mit Deutschland, Österreich, Vereinigtes Königreich, Schweden, ...

 

 

Pauschalbesteuerung von 12,5 % für alle Unternehmen

Das bisherige Ertragsteuerberechnungsmodell sowie etwaige Ausschüttungszuschläge wurden 2011 abgeschafft. Ebenso wurden die besonderen Gesellschaftssteuern von Sitz- und Holding-Gesellschaften abgeschafft.

Im Bereich der Ertragssteuer wird ein Ertragssteuersatz von nominell 12,5 % mit einer umfassenden Freistellung von Beteiligungserträgen und Beteiligungsgewinnen und einem Eigenkapitalzinsabzug kombiniert. Darüber hinaus steht für verbundene Unternehmen eine moderne Gruppenbesteuerung zur Verfügung, die es erlaubt, Verluste innerhalb eines Konzerns weltweit in derselben Periode auszugleichen.

Abschaffung der Coupon- und Kapitalsteuer

Auf die Erhebung der Kapitalsteuer wird unter dem neuen Steuergesetz ebenso verzichtet wie auf die Erhebung der Couponsteuer auf Neureserven.

Die bisherige Besteuerung in Höhe von 4% auf inländisch ausgegebene Coupons von Wertpapieren wurde beseitigt. Für noch vor dem 2011 gebildete Gewinnreserven gelten Übergangsfristen.

Eigenkapitalzinsabzug

Das neue Steuergesetz erlaubt juristischen Personen unabhängig von ihrer Rechtsform einen steuerlichen Eigenkapitalzinsabzug in Höhe von 4%. Damit wurde die Ungleichbehandlung von Fremd- und Eigenkapital beendet und dient zugleich der Sicherstellung der Investitions- und Finanzierungsneutralität von Eigen- und Fremdkapital.

Verlustvorträge

Liechtenstein gestattet einen zeitlich unbegrenzten Verlustvortrag, d.h. Verluste dürfen mit späteren steuerbaren Gewinnen zeitlich unbegrenzt verrechnet werden.

Verluste aus ausländischen Betriebsstätten können ebenfalls mit steuerpflichtigen Erträgen verrechnet werden, solange sie nicht schon im Betriebsstättenstaat berücksichtigt wurden.

Dies gilt auch für Altverluste, die vor Inkrafttreten des neuen Steuergesetzes 2011 entstanden sind.

Diese Regelung ist im Vergleich zur deutschen Mindestbesteuerung vorteilhafter und stellt die Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit realistisch dar.

Darüber hinaus bleiben Verlustvorträge bei Wechsel des Anteilseigners bestehen (Verhinderung der Mantelkaufregelung).

Gruppenbesteuerung verbundene Unternehmen

Darüber hinaus besteht für verbundene Unternehmen eine moderne Gruppenbesteuerung, die es erlaubt, Verluste innerhalb eines Konzerns weltweit in derselben Periode auszugleichen.

Verbundene juristische Personen (Körperschaften, Anstalten, Stiftungen, Investmentgesellschaften) können somit Verluste in der Höhe des Beteiligungsausmaßes im selben Jahr mit Gewinnen anderer nationaler und internationaler Konzerngesellschaften ausgleichen.

Liegen keine 100 % Beteiligungen vor, so ist eine anteilige Verlustzurechnung gestattet.

Eine Nachversteuerung von steuerwirksam zugerechneten Verlusten erfolgt, soweit ein Gruppenmitglied diese Verluste mit eigenen Erträgen verrechnen kann oder könnte.

Der individuelle Verlustvortrag bei der Einzelgesellschaft bleibt dabei bestehen.

Um eine doppelte Verlustberücksichtigung zu vermeiden, wird eine Nachbesteuerung bei der verlustübernehmenden Gesellschaft in Liechtenstein u.a. dann vorgenommen, wenn

  • die verlustverursachende Gesellschaft zukünftig Gewinne erzielt und mit dem Verlust verrechnet,
  • die verlustverursachende Beteiligung aus der Gruppe ausscheidet
  • oder eine Wertberichtigung auf die Beteiligung an der Verlustgesellschaft erfolgt.

Ziel einer solchen Gruppenbesteuerung ist demzufolge nicht die doppelte Verlustberücksichtigung im In- und Ausland, sondern die Optimierung der Steuerbelastung für Liechtensteiner Holding-Gesellschaften.

Das Recht auf eine Gruppenbesteuerung wird auf Antrag erteilt. Verluste, die vor der Antragsstellung entstanden sind, können jedoch nicht nachträglich zugerechnet werden.

Voraussetzung für die Gewährung einer Gruppenbesteuerung ist, dass die antragstellende juristische Person der unbeschränkten Steuerpflicht in Liechtenstein unterliegt und dass eine Mehrheitsbeteiligung an in- oder ausländischen juristischen Personen besteht.

Die Mehrwertsteuer

Die Mehrwertsteuer in Liechtenstein beträgt 8 % (Normalsatz). Der reduzierte Satz von 2,5 % findet Anwendung auf die Lieferung von Lebensmitteln, Druckerzeugnisse, Dienstleistungen in der Landwirtschaft (Urproduktion) und ähnliches.

Die Steuer auf Beherbergungsleistungen beträgt 3,8 % (Sondersatz). Als Beherbergungsleistung gilt die Gewährung von Unterkunft einschließlich der Abgabe eines Frühstücks, auch wenn dieses separat berechnet wird.

Steuerfreie Umgründung

Durch die Neuerungen im Steuergesetz werden die stillen Reserven von juristischen Personen bei Umwandlung, Fusion, Auf- oder Abspaltung sowie Einbringung steuerfrei behandelt. Dies gilt insoweit, als das Besteuerungsrecht Liechtensteins nicht beschränkt wird und die maßgeblichen ertragsteuerlichen Werte beim übernehmenden Unternehmen fortgeführt werden.

Holding-Privileg

Gewinnanteile (Dividenden) von in- oder ausländischen juristischen Personen sowie Veräußerungsgewinne und Liquidationserträge von in- oder ausländischen Beteiligungen sind von der Besteuerung in Liechtenstein ausgenommen.

Dies bietet deutschen oder österreichischen Unternehmen Vorteile bei der Besteuerung der Unternehmensgruppe: Gewinne werden nach Liechtenstein verlagert und dort gering besteuert. Dies sind Steuervorteile, nicht nur für den Mittelstand.

In unserem Artikel „Mittelstand und Liechtenstein" führen wir hierzu detailliert aus.

IP-Box-Privileg

80% der Summe aller Einkünfte aus Immaterialgüterrechten können steuerlich gewinnmindernd als Aufwand abgezogen werden. Dies führt zu einer effektiven Steuerbelastung von 2,5% oder sogar darunter.

In unserem Artikel „Besteuerung von Patenten & Lizenzen in Liechtenstein" führen wir hierzu detailliert aus.

Attraktiver Standort, vorteilhaftes Steuersystem

Mit den Neuerungen bietet Liechtenstein einen Rechtsrahmen, der im internationalen Steuerrecht als modern und hoch attraktiv anzusehen ist.

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, damit der für Sie zuständige Berater Ihnen weitere Informationen zur Firmengründung in Liechtenstein zukommen lassen kann.